Die Kosten von Übergewicht

Wie Viel Kostet Übergewicht

von Vincent Roth / Lesedauer 5-10 Minuten

Inhaltsverzeichnis

Die Kosten von Übergewicht für unsere Gesellschaft

Die Menschen in Industrienationen nehmen immer weiter zu, und es herrscht wissenschaftlicher Konsens darüber, dass Übergewicht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselstörungen und andere Krankheiten, einschließlich einiger Krebsarten, erhöht. Diese Entwicklung kann erhebliche Auswirkungen auf Einzelpersonen haben und ihr Leben deutlich erschweren. Auch wirtschaftlich sind die Folgen des Anstiegs von Übergewicht spürbar. Hierbei sind nicht nur die Kosten für Einzelpersonen zu berücksichtigen, sondern auch die Auswirkungen auf Unternehmen und die Gesellschaft als Ganzes. Zahlreiche Studien haben versucht, die Gründe und Kosten zu erfassen. Im Folgenden werde ich die Ergebnisse zusammenfassen und Lösungsstrategien für Einzelpersonen sowie Organisationen erläutern.

Warum werden wir immer dicker?

Man könnte darüber wahrscheinlich einen tausendseitigen Welzer mit psychologischen, soziologischen, ernährungs- sowie sportwissenschaftlichen Erkenntnissen und darauf basierenden Theorien verfassen. Um es jedoch so kurz wie möglich zu halten: Menschen nehmen mehr Kalorien zu sich, als sie verbrauchen. Die erhöhte Kalorienaufnahme wird vor allem durch die leichte Zugänglichkeit von hochverarbeiteten, energiedichten, kaum sättigenden Lebensmitteln begünstigt, sowie durch mangelnde Ernährungsbildung im Kindes- und Erwachsenenalter. Zusätzlich verbrauchen wir immer weniger Kalorien durch weniger Aktivität im Alltag. Der Bewegungsmangel resultiert hauptsächlich aus dem vorwiegend sitzenden Lebensstil in den westlichen Industrienationen.

Warum kostet Übergewicht mehr als Normalgewicht?

Wie bereits erwähnt, ist Übergewicht ein Risikofaktor für zahlreiche Krankheiten. Allein das Risiko von Diabetes steigt bei starkem Übergewicht mit einem BMI von über 35 im Vergleich zu Normalgewichtigen (18,5-24,9) um das Zwanzigfache (Field et al., 2001). Bei anderen Stoffwechselstörungen, Herzkreislauferkrankungen und einigen Krebserkrankungen zeigt sich ein ähnliches Bild. Zudem ist eine dosisabhängige Risikoerhöhung zu beobachten – je größer das Übergewicht, desto größer das Risiko für schwerwiegende Krankheiten (Field et al., 2001).

Häufige Erkrankungen verursachen nicht nur direkte Kosten durch Krankenkassen und medizinische Infrastruktur, sondern auch Kosten für Unternehmen und den Staat durch Abwesenheitszeiten von der Arbeit, schlechtere Produktivität und vorzeitiges Sterben (Wolfenstetter, 2012). Ein nicht zu vernachlässigender Faktor sind die Kosten, die direkt auf das Individuum entfallen. Dazu gehören nicht nur monetäre Kosten, die nicht von der Krankenkasse übernommen werden, sondern vor allem auch Lifestyle-Kosten. Letztere beziehen sich auf einen Lebensqualitätsverlust, der mit Übergewicht einhergehen kann und zu mentalen Krankheiten wie Depressionen führen kann. Diese Kosten betreffen nicht nur das Individuum selbst, sondern können auch hohe finanzielle Auswirkungen für das Individuum, den Staat und Unternehmen haben.

Wie viel kostet Übergewicht?

Wie viel Übergewicht letztendlich genau kostet, lässt sich schwer sagen. In den letzten 20 Jahren haben Wissenschaftler unterschiedliche Ergebnisse ermittelt. Die meisten Studien sind sich jedoch einig, dass starkes Übergewicht im Vergleich zu Normalgewicht erhebliche Kosten verursacht und der Trend zu mehr Übergewicht auch zu höheren Kosten führt.

Im Jahr 2009 betrugen allein die medizinischen Kosten durch Übergewicht in den USA 147 Milliarden US-Dollar, und bis 2016 stiegen sie auf über 260 Milliarden US-Dollar (Finkelstein et al., 2009; Cawley et al., 2021). Indirekte Kosten wie der Arbeitskraftverlust wurden hier noch nicht erfasst und sind wahrscheinlich höher als die direkten medizinischen Kosten (Dee et al., 2014).

In Deutschland wurden 2012 Kosten von etwa 63 Milliarden Euro erfasst (Effertz et al., 2016). Knapp 30 Milliarden entfallen auf direkte medizinische Kosten, der Rest auf indirekte Kosten wie den Arbeitskraftverlust (Effertz, 2016). Eine weitere Studie zu immateriellen Kosten hat zusätzlich etwa 4 Milliarden pro Jahr ermittelt (Meng et al., 2023).

Aufgrund unterschiedlicher Kostenaspekte und Methoden variieren die Ergebnisse, jedoch zeigt sich ein Trend zu höheren Kosten, da in diesen Studien mehr Variablen berücksichtigt wurden und somit eine realistischere Kostenabschätzung durch genauere Ergebnisse stattgefunden hat. Letztendlich lassen sich die Kosten, sowohl indirekte als auch direkte, sehr wahrscheinlich je nach Bevölkerungsgröße und Anteil von Übergewicht in westlichen Ländern auf hohe dreistellige Millionenbeträge bis hin zu mittleren dreistelligen Milliardenbeträgen (USA) reichen (Goettler et al., 2017). Diese Kosten tragen die gesamte Gesellschaft, sowohl Staat, Unternehmen als auch Einzelpersonen.

 

Strategien zum Verringern und Vorbeugen von Übergewicht

Für Privatpersonen:

Sport und Ernährung spielen eine entscheidende Rolle beim Abnehmen. Der Schlüssel liegt darin, langfristige Lebensstilanpassungen vorzunehmen, anstatt auf kurzfristige, nicht nachhaltige Diäten zu setzen, die später zu alten Gewohnheiten zurückführen. Die Beweggründe für dieses Vorhaben reichen von langfristiger körperlicher und psychischer Gesundheit bis hin zu besserer Leistungsfähigkeit im Beruf und Alltag sowie einem verbesserten Erscheinungsbild.

Nachhaltige Verhaltensänderungen erfordern Anpassungen im direkten Umfeld und den Einsatz von effektiven Strategien.Im Bereich der Ernährung bildet der richtige Einkauf die Grundlage, während bei sportlichen Aktivitäten die Erreichbarkeit und der Zugang zur nächsten Sportstätte sowie die damit verbundene Bildung entscheidend sind. Dies ermöglicht, basierend auf beiden Säulen, fundierte Entscheidungen zu treffen.

Um die Auswahl der richtigen Lebensmittel für eine lang anhaltende Sättigung zu erleichtern, haben wir einen Sättigungsguide erstellt. Zudem tragen ausreichender Schlaf und ein geringes Stresslevel zur verbesserten Produktion von Leptin (Sättigungshormon) bei, was zu einem regulierteren Sättigungsgefühl führt.

In unserem Angebot sind auch kostenlose Anfängertrainingspläne enthalten, die über unser Newsletter-Abonnement zugänglich sind. Einfache Anpassungen in der körperlichen Aktivität, wie tägliche Spaziergänge oder das Nutzen der Treppe statt des Aufzugs, können sofort umgesetzt werden. Kraft- und Ausdauersport reduzieren auch bei Normalgewichtigen Krankheitsrisiken und verbessern wichtige Gesundheitsmarker.

Wenn wir dich auf deinem Weg unterstützen können, melde dich gerne bei uns.

Auf Organisationsebene:

Auf Organisationsebene spielt die Förderung eines gesunden Lebensstils eine entscheidende Rolle. Um das Abnehmen auf institutioneller Ebene zu erleichtern, ist Bildung über Ernährung, Bewegung und die damit verbundenen Konsequenzen von großer Bedeutung. Insbesondere im Kindesalter sind Institutionen wie Schulen und Kindergärten gefragt, durch regelmäßigen Ernährungs- und Sportunterricht nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern aktiv in Richtung einer gesünderen Gesellschaft zu lenken.

Darüber hinaus können auch Unternehmen ihren Beitrag leisten, indem sie Workshops anbieten, die über Risikofaktoren von Übergewicht aufklären. Expertenvorträge können hierbei fundierte und umsetzbare Strategien vermitteln. Die Förderung eines bewussten Umgangs mit Ernährung und Bewegung auf organisationaler Ebene schafft somit eine gesunde Unternehmenskultur.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das gestaltete Umfeld. Eine leichte Zugänglichkeit zu kalorienärmeren, kostengünstigen und sättigenden Mahlzeiten in Mensen und Kantinen fördert gesunde Ernährungsgewohnheiten. Ebenso tragen Aktivitätskonzepte in Büros und Klassenräumen dazu bei, die physische Aktivität zu steigern. Kooperationen mit Fitnessstudios und Trainern können durch finanzielle Unterstützung seitens der Organisation den Mitarbeitern Anreize bieten, außerberuflich aktiv zu sein und gleichzeitig den Zugang zu entsprechenden Einrichtungen zu erleichtern.

Unser Angebot reicht über die Bereitstellung von Informationen hinaus. Gerne unterstützen wir Sie mit einem individuell auf Ihr Unternehmen zugeschnittenen Gesundheitskonzept. Dieses basiert auf den Grundlagen der Psychologie, Sport- und Ernährungswissenschaften und fördert nachhaltige Veränderungen für ein gesünderes und leistungsfähigeres Team.

Quellen:

 

Cawley, J., Biener, A., Meyerhoefer, C., Ding, Y., Zvenyach, T., Smolarz, B. G., & Ramasamy, A. (2021). Direct medical costs of obesity in the United States and the most populous states. Journal of Managed Care & Specialty Pharmacy, 27(3), 10.18553/jmcp.2021.20410. https://doi.org/10.18553/jmcp.2021.20410

Dee, A., Kearns, K., O’Neill, C., Sharp, L., Staines, A., O’Dwyer, V., Fitzgerald, S., & Perry, I. J. (2014). The direct and indirect costs of both overweight and obesity: A systematic review. BMC Research Notes, 7, 242. https://doi.org/10.1186/1756-0500-7-242

Effertz, T., Engel, S., Verheyen, F., & Linder, R. (2016). The costs and consequences of obesity in Germany: a new approach from a prevalence and life-cycle perspective. European Journal of Health Economics, 17(9), 1141-1158. https://doi.org/10.1007/s10198-015-0751-4

Field, A. E., Coakley, E. H., Must, A., Spadano, J. L., Laird, N., Dietz, W. H., Rimm, E., & Colditz, G. A. (2001). Impact of overweight on the risk of developing common chronic diseases during a 10-year period. Archives of Internal Medicine, 161(13), 1581-1586. https://doi.org/10.1001/archinte.161.13.1581

Finkelstein, E. A., Trogdon, J. G., Cohen, J. W., & Dietz, W. (2009). Annual medical spending attributable to obesity: payer-and service-specific estimates. Health Affairs (Millwood), 28(5), w822-31. https://doi.org/10.1377/hlthaff.28.5.w822

Goettler, A., Grosse, A., & Sonntag, D. (2017). Productivity loss due to overweight and obesity: A systematic review of indirect costs. BMJ Open, 7(10), e014632. https://doi.org/10.1136/bmjopen-2016-014632

Meng, F., Nie, P., & Sousa-Poza, A. (2023). The intangible costs of overweight and obesity in Germany. Health Economics Review, 13(1), 14. https://doi.org/10.1186/s13561-023-00426-x

Tremmel, M., Gerdtham, U.-G., Nilsson, P. M., & Saha, S. (2017). Economic Burden of Obesity: A Systematic Literature Review. International Journal of Environmental Research and Public Health, 14(4), 435. https://doi.org/10.3390/ijerph14040435

Wolfenstetter, S. B. (2012). Future direct and indirect costs of obesity and the influence of gaining weight: results from the MONICA/KORA cohort studies, 1995-2005. Economics & Human Biology, 10(2), 127-138. https://doi.org/10.1016/j.ehb.2011.08.008

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